Warum wir Weihnachten wirklich feiern

Ein Mann, der die Tür vor der Nase zuschlägt. Ein frisch Vermählter, der müde seine kleine Familie anführt. Eine Mama, die sich erschöpft und hochschwanger nur endlich einen Platz zum Schlafen wünscht und ein kleines Baby, das nur ein paar Stunden später ruhig in ihren Armen liegt.
Dies war das größte, wichtigste und freudigste Erlebnis der Geschichte dieser Erde – die Geburt von Jesus Christus.

Die Geschichte kennen wir alle – oder, die meisten jedenfalls. Jedes Jahr im Religionsunterricht durchgenommen und in den Schulgottesdientstunden stets gesanglich zum Besten gegeben. Macht man zu dieser Zeit das Radio an, wird unter der Rubrik ‚Die Kirche‘ stets über den kleinen Jungen Jesus gesprochen, der in einem Stall zur Welt kam.

Aber warum ist das eigentlich so wichtig – er, für den die Weisen aus dem Morgenland angereist kamen oder die Engel auf den Feldern sangen? Wieso soll die Welt sich denn eigentlich freuen? Was soll der ganze Aufstand?

Wer sich ein bisschen mit der Bibel (genauer dem Neuen Testament) auskennt, weiß, was für ein interessanter und besonderer Mann Jesus Christus war. Jemand, der sich um Kranke kümmerte, Menschen ihre körperliche und psychische Last nahm. Der die Armen gesegnet und die Aussätzigen geheilt hat – Minderheiten, ausgeschlossen von jedem und allem. Der in der Bergpredigt Nächstenliebe und Vergebung gelehrt hat, in Gleichnissen sprach und Wasser zu Wein werden ließ. Der fünftausend Männer zuzüglich nicht mitgezählte Frauen und Kindern mit nur fünf Broten und zwei Fischen nährte.

Jemand, der Wunder vollbrachte. 

Ich glaube, so mancher wünscht sich, diese Zeit mal sehen zu können – ich tu das jedenfalls.
Sehen, fühlen und für sich wirklich wissen zu können, ob es diesen Christus echt gegeben hat.. Wenn ja, wie war er so? Hat er diese ganzen besonderen Dinge wirklich vollbracht? Es wäre bestimmt interessant, ihn zu treffen und seine Werke zu sehen, richtige Wunder mitzuerleben – wie zum Beispiel jemand, der tot war, wieder lebendig wird.

Aber das größte Geschenk hat er nicht einzelnen Menschen gebracht, nicht fünf- oder zehntausend, nicht dem einen oder anderen Volk, sondern tatsächlich  für uns alle.

Dich und mich, die wir jetzt hier vor unserem Laptop, Smartphone oder Tablet sitzen und diesen Blogpost lesen/schreiben. Welche Sprache wir sprechen, welche Haarfarbe oder welches Gewicht wir haben, wie viel Geld wir besitzen oder welchen Bildungsgrad wir auf dem Papier vorzeigen können – ist alles völlig egal. Da gibt es keinen Unterschied, keinen Vorzug oder keinen Punktestand, den man erreichen muss. Kein „vier gewinnt“.

Die Welt, Menschen und Tiere und Engel haben also nun vor Jahrtausenden gesungen, frohlockt und sich über die Maßen gefreut, weil dieses Geschenk beinhaltet, dass wir, wenn wir Mist gebaut haben, „Entschuldigung“ sagen können – zueinander, aber auch zu unserem Vater im Himmel.

Okay, bleibt nur noch die Frage: Warum können wir das nicht auch einfach so? Was soll daran so besonders sein?! Hat doch jeder schon mal gemacht, sich entschuldigt. Und dann war alles wieder gut.

 

 

Stellt euch mal vor, ihr habt eine große Überraschung für eure Kinder am Wochenende geplant. Einen ganz großen, tollen Kuchen oder eine Reise in den Freizeitpark, in den sie schon immer so gern gehen wollten – aber ihr habt von Anfang an gesagt, es bekommen nur die die Überraschung, die die ganze Woche über keine schlechten Wörter sagen – nicht ’nur eins‘ oder ‚ohne sich zu entschuldigen‘, sondern keine schlechten Wörter.

Jetzt rutscht aber eurer Tochter doch eins raus – versehentlich oder nicht. Das tut der Kleinen aber ehrlich und von Herzen leid und sie ist so traurig, weil sie ja jetzt keine Überraschung bekommt – alle fahren ohne sie in den Freizeitpark. Und obwohl ihr die Kleine so lieb habt und sie euch leid tut, müsstet ihr eure Tochter ganz allein zuhause lassen, sonst ist euer Wort nichts wert und die Gerechtigkeit gegenüber denen, die sich an die Regelung gehalten haben, ist nicht erfüllt.

Nun stellt euch auch vor, euer ältester Sohn sieht, wie traurig seine kleine Schwester ist und wie gerne sie es ungeschehen machen würde. Er hat sie so lieb und hat Mitleid mit ihr, so sehr, dass er zu euch kommt und sagt, er würde an ihrer Stelle zuhause bleiben – obwohl ihr wisst, dass er sich auch schon so gefreut hatte und im Gegensatz zur Kleinen die ganze Woche dran gehalten hat. Nach einigem Überlegen willigt ihr ein – sie kann sich entschuldigen und darf mit in den Freizeitpark. Die Gerechtigkeit – die Konsequenz – wurde durch ihren großen Bruder erfüllt.

Ihr habt es euch vielleicht schon gedacht – der große Bruder in dem kleinen Gedankenexperiment steht für Christus, ihr als Elternteil stellt den himmlischen Vater dar und die kleine Tochter – tja, das sind wir, alle Menschen auf der Welt die je gelebt haben und jemals leben werden.
Nur, dass das, was Jesus Christus für uns getan hat, alles viel, viel größer und umfangreicher war – er ist in die Welt gekommen, um für unsere Sünden zu sterben. Um die Gerechtigkeit zu erfüllen, die Konsequenz zu tragen und alles zu erleiden, was unsere Fehler, Gemeinheiten und Sünden logisch und gerecht einfordern.

Er selbst hat sich nie auch nur das winzigste Bisschen zu Schulden kommen lassen und doch blutete er aus jeder Pore im Garten Gethsemani, als er das fühlte, was für einen normalen Menschen nicht ohne zu sterben fühlbar gewesen wäre. Er fühlte ein überaus schlechtes Gewissen – er fühlte, wie es ist, jemandem Unrecht zu tun in jeglicher Form. Das Gefühl, wenn man über jemanden gelästert hat, der einem selbst später zur Seite steht. Jemandem etwas geklaut zu haben und zu wissen, wie falsch es war. Selbst das Gefühl,  das von uns hoffentlich noch niemand jemals fühlen musste – jemanden getötet zu haben und sich danach bewusst zu werden, was man da getan hat. Das alles hat er für uns erlitten, damit wir nicht leiden müssen, wenn wir uns entscheiden, umzukehren.

Er wusste damals, dass er den Preis bezahlte, obwohl so mancher sich nicht für ihn und für das Richtige entscheiden würde, obwohl so viele Menschen, die er so liebte und immer noch liebt, ihn hassen und seine Existenz verleugnen würden – er hat sich bereit erklärt, zuhause zu bleiben obwohl er wusste, dass es seiner kleinen Schwester vielleicht nicht im Geringsten leid tun würde – nur, um ihr – uns – trotzdem die Chance zu geben.
Er hat sein vollkommenes Leben gegeben, um uns zu ermöglichen, umzukehren und das auszulöschen, was wir falsch gemacht haben. Und wenn wir das tun, wird uns das Leid, das uns sonst früher oder später, aber definitiv später erwarten würde, genommen – solange wir bereit sind, ehrlich und wirklich umzukehren, andernfalls fallen die Anforderungen der Gerechtigkeit auf uns selbst zurück.

Deshalb jauchzten die Engel auf den Feldern und alle Welt freut sich und jubelt auch heute noch. Deshalb singen wir zu Weihnachten, stellen Lichter an die Fenster und in unser Zuhause, schenken uns gegenseitig Geschenke und freuen uns schon seit Jahrtausenden – wir feiern unsere Freiheit von den Fesseln der Konsequenzen, die wir sonst durch unser eigenes Handeln unumgänglich über uns bringen würden. Wir feiern unseren großen Bruder, der so viel Liebe und Güte für uns empfindet (und zwar egal, wer wir sind, wo wir herkommen, was wir getan haben oder wie wir aussehen) dass er für uns am Kreuz gestorben ist.

Damit wir ihn vielleicht finden und zu einem Teil unseres Lebens machen, damit wir ihm nachfolgen und sein Geschenk annehmen – damit wir glücklich sein können, jetzt und für immer.

Darum öffnet eure Herzen,
machet Tür und Tore weit
dass er einzieht und verweilet
voller Glanz und Herrlichkeit.
Uns zur Freud ist er geboren,
denn sonst wären wir verloren.
Er vertreibet alles Weh –
Hosianna in der Höh!
Hört die Engelschöre singen:

Heil dem neugebor’nen Kind

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